Thanks, Carl !
| Untertitel: | In Memoriam Carl Barks 1901-2000 |
| Verlag: | Ehapa Comic Collection (Egmont Ehapa Verlag) |
| Erschienen: | Februar 2001 |
| Format: | Album |
| Vierfarbig | |
| Genre: | Humor |
| Stil: | Funny |
| Inhalt: |
Carl Barks, einer der populärsten Biographen der Comic-Figur Donald Duck, zugleich geistiger Vater von Dagobert Duck (Scrooge McDuck), Daniel Düsentrieb (Gyro Gearloose), Gustav Gans (Gladstone Gander) und Gundel Gaukeley (Magica De Spell), sowie Mitbegründer und »Architekt« von Entenhausen, ist tot. Er starb am 25. August 2000 im 99. Lebensjahr an Leukämie. Die Erkrankung war erst im Juli 1999 diagnostiziert worden. Carl Barks kam am 27. März 1901 in der Nähe von Merrill im amerikanischen Bundesstaat Oregon zur Welt. Seine Eltern waren zu diesem Zeitpunkt schon über 40 Jahre alt. Obwohl Carl Barks einen älteren Bruder namens Clyde hatte, wuchs er auf der Ranch seiner Eltern fast wie ein Einzelkind auf. Die Familie Barks zog so häufig um, dass es der kleine Carl in der Schule schwer hatte und nicht gerade als Musterschüler glänzte. Nach dem Abschluss der Grundschule im Alter von 15 Jahren kam ein Besuch einer höheren Schule für Carl nicht in Betracht, da die nächste Oberschule zu weit entfernt war und es ihm eine beginnende Schwerhörigkeit schwierig gemacht hätte, dem Unterricht zu folgen. Da Carl aber schon immer gern gezeichnet und deshalb die Zeichner der Comic-Steinzeit wie Winsor McCay und Frederick Burr Opper kopiert hatte, abonnierte er einen Zeichen-Fernkurs. Wegen des 1. Weltkriegs konnte er den Kurs zwar nicht beenden, erwarb sich aber dennoch für seine spätere Arbeit ein solides Fundament, auf dem, wie er sagte, sein ganzes Konzept dramatischer und humoristischer Präsentation fußte. Barks zog 1918 nach San Francisco, um bei einer Zeitung eine Anstellung als Zeichner zu bekommen. Statt dessen wurde er zunächst Lehrling in einer Druckerei, ging dann wieder auf die Ranch der Eltern zurück, heiratete das erste Mal, arbeitete in einem Holzfällerlager und in den verschiedensten Berufen, kam aber unweigerlich wieder zum Zeichnen zurück. Sein Ehrgeiz, für Humorzeitschriften zu zeichnen, ruinierte schließlich sogar seine erste Ehe. Ab 1928 war Barks freier Mitarbeiter von Humormagazinen. Er wurde schließlich von 1931 bis 1935 beim frechen Witzblatt Calgary Eye Opener fest angestellt, das in Minneapolis beheimatet war. Daneben steuerte er auch Witzzeichnungen zu dem edleren Humorblatt Judge bei. Sein erster Gag für den Judge spielte übrigens am Klondike in Alaska - an einem Ort also, der auch in späteren Jahren in den Geschichten von Onkel Dagobert eine Rolle spielte. 1935 hörte Barks, dass es in den Disney-Studios neue Jobs gäbe. Da er erfahren hatte, dass dort »Schneewittchen« in der Planung sei, fertigte er einige passende Zeichnungen an, schickte sie ein und wurde daraufhin 1935 Disney-Mitarbeiter, zunächst für einige Wochen als Phasenzeichner. Barks arbeitete dann in den Disney-Studios sieben Jahre lang als Storyboarder, das heißt, seine Arbeit bestand darin, Geschichten zu erfinden, in Einzelbildern zu skizzieren und diese Einzelbilder auf großen Tafeln zu »Storyboards« zusammenzustellen. Alleine oder zusammen mit anderen war Barks in seiner Studio-Zeit verantwortlich für 36 Donald Duck-Filme. Während Barks noch in Disneys Trickfilmstudio arbeitete, entstand zusammen mit seinem Storyboard-Kollegen Jack Hannah 1942 das erste Donald Duck-Comic-Heft mit Geschichten, die keine Nachdrucke von Zeitungsstrips waren. »Donald Duck finds Pirate Gold« hieß dieses Heft, das ein 64 Seiten langes lustiges Abenteuer enthält. Es ist die Bearbeitung eines Drehbuchentwurfs für einen abendfüllenden Donald-Duck-Spielfilm, der aber nie gedreht wurde, weil Disney den Entschluss fasste, in abendfüllenden Spielfilmen nur noch bekannte Märchen oder Erzählungen zu verfilmen. Kurze Zeit nach Entstehung dieses Hefts verließ Barks das Disney-Studio. Einerseits, weil das Studio mehr und mehr für Kriegspropaganda eingespannt wurde und er dann jahrelang nicht mehr hätte kündigen können, andererseits aus Gesundheitsgründen. Die schlechte Luft in Los Angeles und die veraltete Klimaanlage des Studios bescherten Barks einen Dauerschnupfen. Nachdem Barks nun also wieder sein eigener Herr und ein zweites Mal verheiratet war, zog er 75 Meilen außerhalb von Los Angeles nach San Jacinto, wo er eine Hühnerfarm betrieb. Die Verleger des ersten Duck-Heftes von Barks und Hannah waren inzwischen jedoch nicht untätig gewesen. Ihnen hatte das Heft - unter anderem wohl auch, weil es sich gut verkaufte - so gut gefallen, dass sie Barks fragten, ob er nicht weitere Duck-Storys für die neue Monatszeitschrift Walt Disney's Comics and Stories zeichnen möchte. Barks mochte. Und er überarbeitete die Manuskripte, die man ihm gab, so gut, dass man ihm den Vorschlag machte, er solle die Geschichten nicht nur zeichnen, sondern auch selber erfinden und schreiben. Von April 1943 bis September 1965 schrieb und zeichnete Carl Barks mit wenigen Unterbrechungen alle 10-seitigen Duck-Geschichten in Walt Disney's Comics and Stories. Er erhielt dafür als höchstes Honorar $ 45,50 pro Seite Text und Bild. Im Rahmen dieser Geschichten erfand Barks für das Dezemberheft des Jahres 1947 Donalds Onkel Dagobert dazu, einen geistigen Verwandten des Scrooge aus Charles Dickens' Weihnachtserzählung. Daher auch Dagoberts Originalname Scrooge McDuck. Der Nachname McDuck signalisiert zudem schottenwitzigen Geiz. Auch Gustav Gans, der glückliche und nervtötende Vetter Donalds wurde von Carl Barks eingeführt, ebenso der Erfinder Daniel Düsentrieb, die Panzerknacker-Bande, das Pfadfinderfähnlein Fieselschweif und dessen »Schlaues Buch«, sowie Gundel Gaukeley. Carl Barks schickte die Ducks häufig auf Weltreisen. Er recherchierte dafür Dekors und Landschaften, um seine anthropomorphen Figuren in ein realistisch wirkendes Umfeld stellen zu können. Er griff aber ebenso Themen aus Funk, Film und Literatur auf oder wandelte Themen aus den Donald-Trickfilmen ab. Auch seine eigenen Erfahrungen und seine vielen Berufe setzte er in Geschichten um. Man denke nur an die Nutzanwendung der Zeit auf seiner Hühnerfarm, etwa in der Geschichte um das Städtchen Rührei, in dem Donald mit einer Hühnerfarm von einer Katastrophe zur nächsten hetzt. Bei der immer umfangreicher werdenden Arbeit unterstützte Barks ab 1954 seine dritte Frau, die Künstlerin Garé Barks, indem sie das Lettering übernahm. Carl Barks schuf 6371 Comic-Seiten für die amerikanischen Disney-Comichefte, die meisten davon befassen sich mit der Duck-Familie. Daneben fertigte er auch einige hundert Comic-Seiten mit den Erlebnissen einer Bärenfamilie einer anderen Zeichentrickfilmfirma an. 1968 erschien in USA die letzte neu von ihm gezeichnete (aber nicht selbst geschriebene) Heft-Geschichte, denn Barks ging in Pension. Er schrieb zwar noch bis 1973 Geschichten um Tick, Trick, Track und das Fähnlein Fieselschweif, für die er gelegentlich auch Layouts machte, danach aber widmete er sich voll und ganz der Malerei. Carl Barks, der lange Zeit bei den Lesern seiner Geschichten nur als »der gute Zeichner« bekannt wurde, wurde 1960 von einigen gewitzten amerikanischen Fans ausfindig gemacht. In Deutschland wurde Barks 1971 der Anonymität entrissen, als ein erster öffentlicher Hinweis auf ihn und eine erste Würdigung seines Werks in »Comics - Anatomie eines Massenmediums« von W.J.Fuchs und R.Reitberger erschien. Während die Öffentlichkeit also nur allmählich auf die Person Carl Barks aufmerksam wurde und von den verschiedensten Seiten begonnen wurde, das Loblied dieses Zeichner- und Erzählergenies zu singen, hatten einige Fans in USA sein weiteres Leben bereits beeinflusst. Sie hatten herausgefunden, dass der Pensionär Ölgemälde - meist Landschaftsbilder - malte. Daher baten sie ihn, doch auch die Ducks in Öl zu malen. Zwischen 1971 und 1976 entstanden so - mit Genehmigung der Disney-Studios - 122 Duck-Gemälde. Diese Genehmigung wurde zurückgezogen, weil ein Fan unerlaubt Drucke der Bilder angefertigt hatte. Danach malte Barks wieder Ölbilder freier Thematik, während seine klassischen Comicgeschichten in luxuriöser Aufmachung neu aufgelegt und mit kritischem und biographischem Beiwerk versehen wurden. Die Carl Barks Library, die eine Gesamtausgabe von Barks Disney-Geschichten darstellt, war die erste Werksausgabe eines Comic-Autors, die sich mit den Werksausgaben von Dichtern und Denkern vergleichen, ja messen lässt. Sie erschien ursprünglich als 30-bändige Buchausgabe und wurde dann in einer neu kolorierten Albenausgabe, in Deutschland bei Egmont Ehapa, für ein breites Publikum verfügbar. Schließlich wurde Barks wieder autorisiert, Duck-Gemälde anzufertigen oder als Drucke zu publizieren. Seit 1982 kam daher eine Reihe seiner Gemälde in Form limitierter Lithographien auf den Markt. Das vierte Bild dieser zweiten Gemälde-Reihe war eine Hommage zu Donalds 50. Geburtstag im Jahr 1984. Bis Ende der achtziger Jahre entstanden so jährlich zwei bis drei Lithographien nach Ölgemälden. 1994 ging schließlich eine Barks-Gemäldesammlung auf Europatournee, die in Deutschland mit überwältigendem Erfolg in Stuttgart gezeigt wurde. Zusammen mit der Ausstellung ging auch der inzwischen verwitwete Carl Barks auf Europareise. Obwohl Barks die Ducks in seinen Geschichten in alle Himmelsrichtungen geschickt hat, hatte er selbst nie größere Reisen unternommen. In Europa wurde ihm ein triumphaler Empfang bereitet. In München traf Barks bei seinem Deutschlandbesuch erstmals Erika Fuchs, die langjährige Chefredakteuerin der Zeitschrift Micky Maus, die seine Geschichten kongenial ins Deutsche übersetzt hat. Barks hatte sich bis ins hohe Alter seine geistige Jugendfrische bewahrt. So erinnerte er sich mit über 90 Jahren immer noch detailgenau an seine Geschichten und blieb dabei stets so korrekt und bescheiden, Einfälle, die nicht von ihm stammten (etwa Donalds Autonummer), nicht für sich zu reklamieren. Barks hatte bis zu seiner Erkrankung an weiteren Projekten um seine Zeichnungen, Gemälde, Serigrafien und an der Umsetzung einiger Gemälde in Form von Plastiken mitgearbeitet. Die Bewohner Entenhausens verlieren mit Carl Barks einen ihrer bekanntesten »Stadtschreiber«. Den Duck-Fans, -Freunden und -Lesern war Barks ein Übervater, der ihr Verständnis von Humor mit seinen Comic-Geschichten mitgeprägt hat. Mit seinen komischen Bildgeschichten bleibt Barks aber auch für künftige Generationen ein Quell der Freude und Heiterkeit. Barks war auf dem Comic-Sektor eine Ausnahmeerscheinung als Texter und Zeichner mit einem absoluten Gefühl für Timing und Witz, Dramatik und Humor. Seine Zeichnungen sind kleine graphische Meisterwerke, seine Erzählungen sind voller skurriler Einfälle. In den Dialogen mischen sich Präzision und - auch im Original, nicht nur in der Übersetzung - trefflicher Wortwitz. Auch als Maler strebte Barks Perfektion an. Wer sich seine Gemälde genau betrachtet, der weiß, dass er ein absolut sicheres Gespür für Bildkomposition hatte. Carl Barks wurde für sein Lebenswerk von den Disney-Studios geehrt. Am 22. Oktober 1991 durfte er bei einem kleinen Festakt seinen Namen und seine Handabdrücke im Bürgersteig vor dem Kino im Disney-Studio in Zement verewigen. Barks hat zwar einmal gesagt: »Ich denke nicht viel darüber nach, aber immer wenn ich über den großen Barks und das Zeug, das er schreibt, lese, dann denke ich, sie schreiben über jemand anders.« Dem ist nicht so. Carl Barks' Bescheidenheit in allen Ehren, aber er war trotzdem - oder gerade deswegen - einer der populärsten und besten zeichnenden Geschichtenerzähler des 20. Jahrhunderts. Seine Comics sind im wahrsten Sinne des Wortes - in Analogie zum Autorenfilm - »Autoren-Comics«. Barks sagte einmal über sich und seine Arbeit: »Wenn ich ein Talent gehabt habe, dann das, dass ich erkennen konnte, ob etwas komisch war, egal, ob ich oder jemand anderer es geschrieben hat.« Dieses Talent hat Carl Barks genial genutzt. (Wolfgang J. Fuchs) (c) Egmont Ehapa |
| Siehe auch: | Carl Barks (Brockmann und Reichelt) |
| Barks Library (Ehapa) | |
| Barks Library Special - Onkel Dagobert (Ehapa) | |
| Barks Library Special - Daniel Düsentrieb (Ehapa) | |
| Barks Library Special - Donald Duck (Ehapa) | |
| Barks Library Special - Fähnlein Fieselschweif (Ehapa) | |
| Barks Library Special - Werkverzeichnis der Comics (Ehapa) | |
| Barks Comics & Stories (Ehapa) | |



