Walt Disneys Lustige Taschenbücher

Alternative Titel: Lustiges Taschenbuch
 
Verlag: Ehapa Verlag / Egmont Ehapa Verlag
Egmont Ehapa Media (ab Bd. 459)
Erschienen: 1967 - Erscheint noch
 
Format: Taschenbuch
Einfarbig und vierfarbig / Vierfarbig
 
Genre: Humor
Stil: Funny
 
Inhalt: Die Idee für Disney-Comics zum Schmökern im Taschenbuchformat entstand in Italien, wo man nach dem 2. Weltkrieg zunächst die wöchentlich erscheinenden Hefte vom Großformat auf Taschenformat umgestellt hatte, so dass der Weg zu dicken Sonderausgaben geebnet, und schließlich zu einer Buchreihe im Taschenformat nicht mehr weit war.

In den Lustigen Taschenbüchern tauchen zwar vereinzelt klassische Disney-Comics von Carl Barks auf, im Großen und Ganzen unterscheiden sich die enthaltenen Geschichten in Stil, Länge und Inhalt von den üblichen Heft-Comics. Das liegt daran, dass sie in Italien produziert wurden. Italien hatte nämlich schon lange eine Sonderstellung bei der Produktion von Disney-Comics. Sie reicht bis in die Anfangsjahre der Disney-Comics zurück.

Seit 1930 Disneys Micky Maus erstmals in Comics auftrat, fanden Disney-Comics rasch eine ebenso weite Verbreitung wie zwei Jahre zuvor die Trickfilme. In Ländern wie Italien wurden sie sogar so beliebt, dass die amerikanischen Comics allein nicht genügten, um den Bedarf beim Publikum zu decken.

So begann im Dezember 1932, knapp zwei Jahre nach der Veröffentlichung der ersten Micky-Strips beim Florentiner Verlag Nerbini die Wochenzeitschrift Topolino. Topolino, also wörtlich eigentlich »Mäuschen«, ist der italienische Name von Micky Maus. Die Zeitschrift wurde geleitet von Paolo Lorenzini, dem Neffen von Carlo Collodi (bürgerlich Carlo Lorenzini), dem Verfasser der Erlebnisse von Pinocchio, dem »hölzernen Bengele«.

Mit Heft 137 vom 11. August 1935 wurde die Zeitschrift vom Verlag Arnoldo Mondadori übernommen. Der Bedarf an Material war inzwischen so groß, dass bei Mondadori Disney-Comics nicht nur nachgedruckt wurden, sondern auch in Lizenz selbst produziert werden durften. Der große Erfolg von Topolino ermutigte Mondadori zu einem zweiten wöchentlich publizierten Disney-Heft mit dem Titel Paperino. Paperino ist der italienische Name von Donald Duck. (»Papero« ist ein Gänserich oder, im umgangsprachlichen Doppelsinne, ein Dummkopf. Die Endung »-ino« ist wie bei »Topolino« eine Verkleinerungsform.)

In Paperino, der Zeitschrift, die fünf Jahre vor dem ersten amerikanischen Donald Duck-Heft gestartet wurde, kamen (wie in Topolino) anfangs neben dem Titelhelden auch andere amerikanische und italienische Comic-Serien zum Abdruck. Es wurden aber auch schon die ersten langen heiteren Abenteuergeschichten um Donald Duck veröffentlicht, die unter anderem von Frederico Pedrocchi, Mario Pinochi und Nino Pagot in Italien angefertigt wurden.

Nach dem 2. Weltkrieg wurden die Zeitschriften von Mondadori auf Taschenformat umgestellt. Später brachte der Verlag auch richtige Comic-Taschenbücher heraus, die kompakten Lesespaß bereiten sollten. Das vergrößerte den Bedarf an Geschichten so sehr, dass zeitweilig 50 Prozent aller in Europa getexteten und gezeichneten Disney-Comics in Italien entstanden.

Aus dem in Italien angesammelten Fundus an Disney-Comics im handlichen Taschenformat wurden schließlich ab Oktober 1967 in Deutschland die Lustigen Taschenbücher mit jeweils rund 250 Seiten Umfang. In der seit bald 33 Jahren erscheinenden Buchreihe sind mittlerweile über 270 Bände mit einer Gesamtauflage von über 200 Millionen Exemplaren publiziert worden, fürwahr ein beachtlicher Augenschmaus und Lesespaß. Hätte man die Möglichkeit, alle diese Bände hochkant aneinanderzulegen, ergäbe das (bei 18,8 cm Seitenlänge pro Band) die beachtliche Strecke von 37 600 km, fast einmal rund um den Äquator.

Die Lustigen Taschenbücher enthielten fast ausschließlich italienische Disney-Comics und machten so bei uns den Erzählstil und die Zeichnungen italienischer Zeichner populär, auch wenn deren Namen lange Zeit ebenso anonym blieben wie der Name von Carl Barks. Einer der bekanntesten und beliebtesten italienischen Disney-Texter und -Zeichner ist Romano Scarpa, der 1953 - im Alter von 26 Jahren - zu Arnoldo Mondadori kam, und - als großer Fan der Abenteuergeschichten, die sich Floyd Gottfredson in USA für Micky Maus ausdachte und zeichnete - 1955 die Gelegenheit bekam, dem verehrten Idol nachzueifern.

Da nämlich in USA in den Tageszeitungen keine humoristischen Abenteuercomics mehr in Fortsetzungen erscheinen sollten, sondern nur noch in sich abgeschlossene Gag Strips, fehlte plötzlich in Italien bei den dort sehr beliebten langen Geschichten der Nachschub. Scarpa konnte nun Geschichten schreiben und zeichnen, die in Atmosphäre und Spannung den Klassikern ähnelten. Scarpa arbeitete sowohl mit Micky, als auch mit Donald Duck.

Scarpa hat viele seiner besten Geschichten selbst geschrieben, aber etwa ebenso oft auch die Texte anderer Verfasser ins Bild gesetzt. Wie Gottfredson hat er viele Nebenfiguren erdacht, die später von anderen Textern und Zeichnern übernommen wurden. Zu den von Scarpa erfundenen Gestalten zählen unter anderem Atömchen, Kater Karlos Freundin Trudi und die in Dagobert Duck (und sein Geld) vernarrte Gitta Gans, die gerne Frau Duck würde.

Den Lustigen Taschenbüchern verdankt man - unter anderem - auch Kenntnis von Donald Ducks Geheimidentität als »Superheld« Phantomias. Erdacht wurde Donalds zweites Ich von Texter Guido Martina und Zeichner Giovan Battista Carpi. Donalds erstes Abenteuer als Phantomias (Originalname Paperinik) erschien in Heft 706 der Zeitschrift Topolino. In Deutschland konnte man Phantomias erstmals 1976 in Band 41 der Lustigen Taschenbücher (»Donald mal ganz anders«) erleben.

Die Lustigen Taschenbücher werden aber nicht nur wegen solcher neuer Figuren geschätzt und verschlungen, sondern wegen ihrer bunten Mischung an spannenden und lustigen, langen und kurzen Geschichten, die Donald, Micky und Co. durch alle Zeiten und Perioden und in so manche Roman-, Theater und Filmpersiflage entführen.


Italienische Disney-Künstler

Romano Scarpa wurde am 27. September 1927 in Venedig geboren. Sein Interesse am Zeichnen führte zu einem Studium an der Akademie der schönen Künste. Seine Leidenschaft für den Zeichentrickfilm ließ ihn das Studium jedoch vorzeitig abbrechen. Nach dem Krieg machte Scarpa den Kurztrickfilm »E poi venne il diluvio« (Und dann kam die Sintflut), einen Film über die Vorgeschichte der Menschheit. 1947 gründete er sein eigenes kleines Trickfilmstudio.

1953 erhielt der Disney-Fan Scarpa das Angebot, eine Comicgeschichte nach Texten von Guido Martina für die Zeitschrift Topolino zu zeichnen. Es war die Comicerzählung »Biancaneve e Fiamma Verde« (Schneewittchen und die Grüne Flamme). Es dauerte nicht lange, da durfte Scarpa seine Comics auch selbst schreiben.

Romano Scarpas nächste Arbeit befaßte sich mit Donald Duck. Aber schon bald zeigte sich, daß er ein Faible für Micky Maus hatte. Scarpas erster in Deutschland nachweisbarer Comic erschien in Band 8 des Lustigen Taschenbuchs (Donald und der »Fliegende Schotte«, aus Topolino 174, Tusche: Luciano Gatto).

Guido Martina (9.2.1906 - 6.5.1991), in Carmagnola bei Turin geboren, studierte Philosophie und Literatur, unterrichtete einige Zeit, und ging dann nach Paris, wo er Dokumentarfilme drehte. Als er 1938 nach Italien zurückkehrte, fing er an, für Topolino Comics aus dem Amerikanischen zu übersetzen. Er arbeitete für den Rundfunk und gab eine Humorzeitschrift heraus. Nach dem 2. Weltkrieg übersetzte er wieder für Mondadori, durfte aber auch erste eigene Topolino-Geschichten schreiben. Martina schuf 1949 einen der beliebtesten italienischen Western-Comics, der auch deutschen Comic-Fans in guter Erinnerung ist: »Pecos Bill«. Daneben schrieb er auch für andere Comic-Serien wie Oklahoma, Cucciolo und Tiramolla. Sein Hauptwerk aber waren - und bleiben - weit über tausend Disney-Geschichten.

Giovan Battista Carpi (geboren am 16.11.1927 in Genua), der die Gestaltung von »Phantomias« übernahm, war ein erfahrener Zeichner. Nach einer Ausbildung als bildender Künstler an der Akademie der Schönen Künste und im Studio des Malers Giacomo Picollo kam er zum Trickfilm und zur Mitarbeit an Jugendzeitschriften. Seine ersten Comics fertigte Carpi 1945 für die Wochenzeitschrift Faville an. Nach Mitarbeit an verschiedenen Zeitschriften arbeitete er auch eine Zeitlang im Trickfilmstudio der Gebrüder Pagot als Phasenzeichner. 1953 wurde er in die Riege der italienischen Disney-Zeichner aufgenommen. Seine Vorliebe für alte Moden und Kostüme prädestinierte Carpi geradezu für Persiflagen und Parodien, etwa »Donald, Prinz von Dänemark« oder »Das Geheimnis der Silberleuchter«, in denen Shakespeares Hamlet und Victor Hugos Die Elenden humorvoll aufbereitet wurden.

Obwohl Carpi hauptsächlich für Disney gearbeitet hat und heute Vorsitzender der Universität Disney ist, die in Italien Nachwuchszeichner für Topolino ausbildet, hat er auch bei anderen Comics Spuren hinterlassen, zum Beispiel bei Fix und Foxi. Ferner erfand er die Figur des »Soldino« für den Verlag Bianconi, »Gargantua« für die Zeitschrift Smack und »Dodo« für Airone Junior.

Die Reihe der italienischen Disney-Zeichner und -Texter ist inzwischen schon sehr lang geworden. Hier noch eine kleine Auswahl von Zeichnern, deren Arbeiten häufig in den Lustigen Taschenbüchern auftauchen:

Marco Rota. Der am 18. September 1942 in Mailand geborene Zeichner konnte 1958 in Italien seine ersten eigenen Comics veröffentlichen. 1962 wurde er fester Mitarbeiter von Topolino, zeichnete aber nebenbei auch realistische Comics für die im gleichen Verlag erscheinenden italienischen Ausgaben von Superman und Batman. Nebenbei zeichnete er auch satirische Comics für die Wochenzeitschrift ABC. Von 1974 bis Juni 1988 war Rota künstlerischer Leiter der italienischen Disney-Produktion. Er verfertigte in dieser Zeit unzählige Geschichten, wobei er sich stilistisch am stärksten von Carl Barks beeinflussen ließ.

Giorgio Cavazzano stammt aus Venedig, wo er am 19. Oktober 1947 zur Welt kam. Er machte bereits als junger Mann die Tuschzeichnungen für die Disney-Storys seines Cousins Luciano Capitanio, außerdem kolorierte er die Disney-Arbeiten von Luciano Gatto und Romano Scarpa, die wie er in Venedig lebten. 1967, im Alter von 20 Jahren, debütierte er selbst als Zeichner. Sein ausgeprägter Stil erfreute sich rasch großer Beliebtheit. Besondere Begeisterung weckte seine Casablanca-Parodie mit den Ducks. Da Cavazzano schnell zeichnet, hatte er auch Zeit, neben den Disney-Geschichten andere Serien zu betreuen. 1988 verließ er die italienische Disney-Produktion und wurde Leiter der Comic-Herstellung der französischen Zeitschrift Pif.

Massimo De Vita ist der Sohn von Pier Lorenzo De Vita, der erstmals 1938 und insbesondere von 1955 bis 1981 für die italienischen Disney-Comics gearbeitet hatte. Massimo De Vita kam am 29. Mai 1941 in Mailand zur Welt. Schon mit 17 Jahren arbeitete er im Zeichentrickstudio der Gebrüder Pagot an Werbefilmen mit. Schließlich stieß er zur Redaktion der italienischen Disney-Hefte, wo er zunächst Comics nach Texten von Guido Martina, Carlo Chendi und Rodolfo Cimino anfertigte, ehe er mehr und mehr eigene Texte grafisch umsetzte. Zu seinen populärsten Geschichten zählt die lange, dreiteilige Fantasy-Erzählung aus den Jahren 1982 bis 1984, in der Micky und Goofy im utopischen Land Argaar sind.

Luciano Bottaro. Der am 16. November 1931 in Rapallo geborene Bottaro zählt zu den schaffensfreudigsten Autoren der italienischen Humor-Comics. Er brach eine Lehre als Buchhalter ab, um 1949 mit dem Texten und Zeichnen von Comics anzufangen. Zu seinen Erfindungen zählte 1951 der Pirat Pepito, der auch in Deutschland eine eigene Heftreihe erhielt. 1952 zeichnete er eine erste Disney-Geschichte mit Donald Duck. Es dauerte nicht lange, dann war er einer der richtungweisenden Gestalter der italienischen Schule von Disney-Comics. Bottaro arbeitete bis 1968 in großem Stil für die italienischen Disney-Hefte, danach mit längeren Pausen bis 1984. Schon früh widmete sich Bottaro auch der Entdeckung und Förderung neuer Talente und schuf nebenbei viele weitere eigene Comic-Figuren, darunter Whisky & Gogo, die ab 1960 nach Texten von Carlo Chendi entstanden.

weniger

 
Siehe auch: Lustiges Taschenbuch - Sonderband (Ehapa)
Lustiges Taschenbuch - Spezial (Ehapa)
Lustiges Taschenbuch - Enten-Edition (Ehapa)
Lustiges Taschenbuch Mini Pocket (Ehapa)
Walt Disneys Lustige Taschenbücher Nostalgie Edition (Ehapa)
 
Band: 261 - Donald Duck - King of Comics
Softcover
 
Seiten: 272
 
Erscheinungsdatum: 1999
Story-Titel: 1.) (Donald Duck): Wünsche werden wahr
2.) (Daniel Düsentrieb): Ein schwerer Fall von Randalitis
3.) (Onkel Dagobert): Tauronten und Schimpansuten
4.) (Micky Maus): Knall auf Fall ins All
5.-22.) Donald Duck: (ohne Titel)
23.) (Gundel Gaukeley): Hexenzauber und Piraten
24.) (Die Panzerknacker): Dem Nachwuchs eine Chance
25.) (Dummi Duck): Zug durch die Zeiten
26.) (Donald Duck): Ein nervenstarker Samariter
 
Zeichner: 1.) Flemming Andersen
2.) Anna Marabelli
3.) Alessandro Gottardo
4.) Giuseppe Dalla Santa
5.) Al Taliaferro
6.) Al Taliaferro
7.) Al Taliaferro
8.) Al Taliaferro
9.) Al Taliaferro
10.) Al Taliaferro
11.) Al Taliaferro
12.) Al Taliaferro
13.) Al Taliaferro
14.) Al Taliaferro
15.) Al Taliaferro
16.) Al Taliaferro
17.) Al Taliaferro
18.) Al Taliaferro
19.) Al Taliaferro
20.) Al Taliaferro
21.) Al Taliaferro
22.) Al Taliaferro
23.) Marco Mazzarello
24.) Stefano Intini
25.) Lara Molinari
26.) Flemming Andersen
Texter: 1.) Pat McGreal, Carol McGreal
2.) Carmen Gozzo
3.) Rodolfo Cimino
4.) Diego Fasano
5.) Bob Karp
6.) Bob Karp
7.) Bob Karp
8.) Bob Karp
9.) Bob Karp
10.) Bob Karp
11.) Bob Karp
12.) Bob Karp
13.) Bob Karp
14.) Bob Karp
15.) Bob Karp
16.) Bob Karp
17.) Bob Karp
18.) Bob Karp
19.) Bob Karp
20.) Bob Karp
21.) Bob Karp
22.) Bob Karp
23.) Claudia Salvatori
24.) Nino Russo
25.) Luca Boschi
26.) Elizabeth Rowe
 
Beilagen: lose Abokarte
 
Bemerkungen: Auf 16 zusätzlichen Seiten enthält der Band eine Auswahl von klassischen Donald-Strips.
 
 
Inhalt: Donald Duck - seit 65 Jahren: Der King of Comics

Am 9. Juni 1999 feierte Donald Duck - der berühmteste Erpel der Welt - seinen 65. Geburtstag. Sollte nun der ein oder andere aufmerksame Leser anfangen nachzurechnen - Donald war schließlich bereits in seinem ersten Film eine erwachsene Ente - so sollte er sich vor Augen halten, daß Trickfilm und Comic-Figuren ja ihrem Wesen nach zeitlos sind und daher gar nicht altern können. Weitere Verwirrung um das »echte Geburtsdatum« stiftete eine »Ente«, die Donalds Erfinder Walt Disney höchstpersönlich in die Welt setzte. Seiner Erzählung nach flog an einem Freitag den 13. - während einer Autorenkonferenz - ein Schlammbatzen durch ein offenes Fenster direkt auf seinen Schreibtisch. Der Batzen schüttelte sich und entpuppte sich als Donald Duck, der wutentbrannt in die Runde schnatterte: »Was wollt ihr von mir?«

Warum aber wird Donalds Geburtstag im Juni gefeiert?
Ganz einfach: Das Licht der Welt, in diesem Fall das Licht der Projektionsleinwand, erblickte Donald Duck am 9. Juni 1934 bei der Uraufführung des Zeichentrickfilms »The Wise Little Hen«. Obwohl er hier nur eine Nebenrolle spielte, hinterließ er einen so bleibenden Eindruck, daß er kurze Zeit später in den Micky Maus-Trickfilmen auftauchte.

Die Idee, eine Ente als Partner von Micky Maus einzuführen, war allerdings schon zwei Jahre vorher entstanden. Walt Disney hatte nämlich bereits 1932 bemerkt, daß Micky - nicht zuletzt auf Druck der amerikanischen Müttervereine - nach und nach zu ernsthaft und seriös geworden war und wollte ihm daher starke komische Gegenspieler zur Seite stellen. Unter anderem auch eine sprechende Ente. Das Problem war nur, daß man dafür erst die passende Stimme finden mußte, denn im Trickfilm muß zuerst immer der Soundtrack stehen, bevor man anfängt zu zeichnen. Die Stimme kam per Zufall in die Disney-Studios. Der Tierstimmen-Imitator Clarence Nash, der davon träumte, bei Disney zu arbeiten, nahm sich 1933 eines Tages vom Milchausfahren (seinem Hauptberuf) frei und begab sich ins Büro des Disney-Regisseurs Wilfred Jackson. Dort rezitierte Nash den Kindervers: »Mary Had A Little Lamb« und riß Jackson förmlich vom Hocker. Der schaltete die Wechselsprechanlage zu Walt Disneys Büro ein und ließ Nash das Gedicht noch einmal aufsagen. Und siehe da, Walt Disney kam umgehend in Jacksons Büro, hörte noch ein Weilchen zu und sagte dann aufgeregt: »Das ist sie! Das ist unsere sprechende Ente!« Und so wurde Clarence Nash am 2. Dezember 1933 zu Walt Disneys 125. Angestellten und zu Donalds Stimme in der Originalfassung sowie in zahlreichen Synchronfassungen.

Ab 7. Februar 1938 bekam Donald unter Federführung von Texter Bob Karp und Zeichner Al Taliaferro seinen eigenen Comicstrip. Zu diesen täglich erscheinenden Zeitungsstrips kam ab 10. Dezember 1939 noch eine eigene Sonntagsseite in Farbe, die wie die Zeitungsstrips in den folgenden dreißig Jahren vom gleichen erfolgreichen Zeichner-Texter-Team angefertigt wurden. Nachdrucke der Strips in Buch- und Heftform gab es bereits seit 1935.

Die erste, speziell für ein Comic-Heft kreierte Donald-Geschichte entstand 1942, »Donald Duck Finds Pirate Gold«. Geschrieben wurde sie von Bob Karp und zu je 32 Seiten gezeichnet von Jack Hannah und Carl Barks. Das Heft bedeutete auch den Beginn der wirklich fantastischen Comiczeichner-Karriere von Carl Barks. Des Zeichners, der Entenhausen erdachte und mit vielen der bekanntesten Comic-Figuren bevölkerte: mit Onkel Dagobert, Gustav Gans, Daniel Düsentrieb und Gundel Gaukeley, um nur einige zu nennen. Carl Barks war vor seiner Arbeit an den Duck-Comics schon viele Jahre in den Trickfilm-Studios von Walt Disney tätig gewesen. Einige der besten Donald-Zeichentrickfilme der späten 30er und frühen 40er Jahre wurden von ihm als Autor und Storyboard-Zeichner mitgestaltet. In den 40er Jahren verabschiedete sich Carl Barks vom Zeichentrickstudio. Unter anderem wegen der schlechten Luft in Los Angeles. Er hatte vor, eine Hühnerfarm in San Jacinto zu betreiben. Doch Donald ließ ihn nicht los, denn schon bald bewarb er sich darum, die Donald-Geschichten zeichnen zu dürfen, die von nun an in Walt Disney`s Comics and Stories erscheinen sollten.

Es war unzweifelhaft ein Glücksfall, daß ein solch großer Könner wie Carl Barks den Kosmos Entenhausen schuf. Es gab und gibt noch viele große »Entenzeichner«, doch er ist immer das große Vorbild aller geblieben.

Donald Duck ist heute eine Persönlichkeit des öffentlichen Lebens. Doch im Gegensatz zu vielen anderen wird er rückhaltlos geliebt. Es wird über ihn geforscht, er wird auf Händen und Hemden getragen, zitiert und gesammelt. Er entzückt jung und alt, begeistert alle sozialen Schichten. Seine Abenteuer werden unter Schulbänken, in U-Bahnen und VIP-Airport-Lounges gleichermaßen verschlungen. Er ist der King of Comics.

In all diesen Jahren wurden er und seine großen und kleinen Abenteuer von den unterschiedlichsten Künstlern namhaften und namenlosen - erzählt und gezeichnet. Und auf geheimnisvolle Weise ist er nie gealtert, immer ist er sich treu geblieben. Ein cholerischer, fauler Erpel - ein Unglückswurm, der sich mit unerschütterlichem Optimismus immer neu den Tücken des Alltags stellt.
 
 

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